JUNI 2010

Ein heißer, sonniger Tag an der ukrainischen Schwarzmeerküste neigt sich langsam dem Ende zu. Puh, ich hätte nie gedacht, dass es hier so heiß ist!

Auf dem Dienstplan steht noch ein Platzkonzert, ein Konzert im Park in einer Konzertmuschel. Meine Motivation ist mäßig: die Hitze, oft schlechte Akustik – werden überhaupt Zuhörer kommen?

Die Sonne neigt sich langsam dem Horizont zu und wir können im Schatten spielen. Nur wenige der aufgestellten Besucherstühle sind besetzt. Ich sehe mich in meiner mäßigen Motivation bestätigt, aber Dienst ist Dienst und los geht’s!

Die ersten Töne erklingen und der Park füllt sich immer mehr mit gut gelaunten Menschen. Ich lasse mich von dieser Stimmung anstecken. Ein paar Musikstücke später ist der Park voll gefüllt und die aufgestellten Stühle reichen längst nicht mehr. Es wird applaudiert, gelacht und getanzt. Ich bin beeindruckt von der Dankbarkeit der Menschen, die sie unserer Musik entgegenbringen.

Nach einer Reihe von Zugaben wird am Ende des Konzerts nach Autogrammen gefragt und Kinder auf die Bühne gereicht, um von ihnen Fotos mit uns zu machen.

Was für ein Konzert!

FEBRUAR 2022

Gebannt und schockiert sitze ich vor dem Fernseher, den mein Mann angeschaltet hat. Ein Nachrichten-Live-Stream und Putin. Keine gute Kombi. Das macht mir Angst. Zu lange sitze ich vor dem Fernseher und höre mir verschiedene Expertenmeinungen zu Putins Rede an.

Zwei Tage später werden Ziele in der ganzen Ukraine angegriffen. Die große Militärinvasion hat begonnen. In Europa. Mein Magen ist flau und mir läuft es kalt den Rücken runter.

UND NUN?

Die Nachrichten, Bilder und die möglichen Auswirkungen auf unser sicher geglaubtes Leben hier mitten in Europa machen uns Angst.

Angst lässt uns in gefährlichen Situationen wachsamer sein, sie mobilisiert unsere Kräfte für Kampf oder Flucht. Erst einmal nichts Schlechtes. Doch ist eine dauerhafte und sich in der Gesellschaft potenzierende Angst, angefacht durch stundenlange Berichterstattung, dem Austausch schlechter Neuigkeiten mit Freunden und Verwandten und dem Grübeln über einen Atomkrieg hilfreich? Sicher nicht. Und wenn wir es mit dem Zitat von Buddha „Mit unseren Gedanken formen wir die Erde“ halten, erst recht nicht.

Mit unseren Gedanken formen wir die Welt.

oder anders gesagt

Energy flows where attention goes

WAS KÖNNEN WIR ALSO TUN?

Unsere Aufmerksamkeit und Gedanken dem Frieden widmen.

Und Frieden beginnt immer erst bei uns. Wenn wir mit uns im Frieden sind, können wir auch mit anderen Menschen friedlich zusammenleben. Wenn wir das in unserer Familie und im Freundeskreis schaffen, dann können wir irgendwann als Volk friedlich zusammen leben. Wenn wir das als ein Volk schaffen, dann auch unter vielen Völkern.

Zugegeben: das klingt erstmal utopisch!

Aber: wenn das viele Menschen machen, ihren inneren Frieden leben und so Frieden in die Welt tragen, dann garnicht mehr so!

 Und das ist auch der Grund, warum ich diesem Blogpost schreibe: ich möchte, das Menschen mit friedlichen Absichten die Welt formen und sich nicht von Angst treiben lassen!

 

Was können wir konkret (noch) tun:

  • Unsere Aufmerksamkeit auf etwas Positives richten, ohne wegzuschauen.
  • Den betroffenen Menschen Kraft und Hoffnung wünschen, in Gedanken bei ihnen sein.
  • Frieden in unseren Gebeten und Meditationen zum Ausdruck bringen
  • Daran glauben, dass Verantwortliche weise Entscheidungen treffen.
  • Musik für alle Menschen machen, die gerade nicht in Frieden leben können.
  • Uns die Welt so vorstellen, wie sie für alle Menschen ein sicherer Ort ist. Denn dann können wir danach handeln.
  • Menschen an unseren Gedanken und Absichten teilhaben lassen, damit sich diese vermehren können.
 

Und wieder denke ich an dieses Konzert, an die ausgelassenen, fröhlichen Menschen, die den Sommertag mit uns im Park geniessen. Ich hoffe, dass diese Unbeschwertheit bald wieder in ihren Herzen Einzug finden wird.